DIN 18195 und DIN 18533: Entwicklung der Normen

Die Regeln zur Bauwerksabdichtung wurden über mehrere Jahrzehnte weiterentwickelt, weil sich Anforderungen und Bauweisen verändert haben. Dabei ging es nicht nur um neue technische Lösungen, sondern auch um eine klarere Zuordnung der Normen zu unterschiedlichen Bauteilen. Für die Planung ist deshalb wichtig, zwischen der früheren Gliederung und der heute geltenden Normenstruktur zu unterscheiden. Die Entwicklung erklärt zugleich, warum ältere Bauunterlagen andere Normverweise enthalten als aktuelle Planungen.

Alte DIN 18195

Die ältere DIN 18195 erschien im August 2000 unter dem Titel „Bauwerksabdichtungen“. Sie bündelte grundlegende Begriffe, Stoffanforderungen und Ausführungsregeln in einer Normenreihe. In der Praxis wurde sie deshalb lange als zentrale Referenz für Abdichtungsarbeiten an Gebäuden herangezogen. Ihre Gliederung spiegelte die damalige Systematik wider: Anforderungen und Verfahren wurden innerhalb einer Reihe nach Abdichtungsaufgabe geordnet, statt auf mehrere bauteilbezogene Normen verteilt zu sein.

Die zehn Teile behandelten unterschiedliche Themen: Teil 1 enthielt Grundsätze und Definitionen, Teil 2 die Stoffe und Teil 3 die Anforderungen an den Untergrund. Teil 4 regelte Abdichtungen gegen Bodenfeuchte und nichtstauendes Sickerwasser an Bodenplatten und Wänden; Teil 5 behandelte nichtdrückendes Wasser auf Deckenflächen und in Nassräumen. Teil 6 galt von außen drückendem Wasser und aufstauendem Sickerwasser, Teil 7 von innen drückendem Wasser. Teil 8 befasste sich mit Abdichtungen über Bewegungsfugen, Teil 9 mit Durchdringungen, Übergängen und Anschlüssen und Teil 10 mit Schutzschichten und Schutzmaßnahmen.

Diese historische Gliederung ist in älteren Leistungsverzeichnissen, Gutachten und Bauakten weiterhin anzutreffen. Sie erleichterte die Orientierung innerhalb einer einzigen Normenfamilie, verband jedoch sehr unterschiedliche Bauteile und Beanspruchungen in einem gemeinsamen Regelwerk. Mit der späteren Neuordnung wurden diese Bereiche gezielter auf eigene Normen verteilt. Die frühere DIN 18195 bleibt daher wichtig, um Bestandsunterlagen und ältere Abdichtungskonzepte einzuordnen; sie ist aber nicht mit der heutigen Aufgabenverteilung der Normen gleichzusetzen.

Normenreihe seit Juli 2017

Im Juli 2017 wurde die Normenstruktur zur Abdichtung neu gegliedert. Für erdberührte Bauteile erschien die DIN 18533 in drei Teilen. Damit erhielt dieser Anwendungsbereich eine eigene Normenreihe, während Abdichtungen an anderen Bauteilen in jeweils dafür vorgesehenen Normen behandelt werden. Die Neuordnung machte die Zuordnung nach Bauteil und Einsatzbereich übersichtlicher als die frühere Zusammenfassung in der DIN 18195.

DIN 18533-1 enthält grundlegende Anforderungen sowie Regeln für Planung und Ausführung der Abdichtung erdberührter Bauteile. DIN 18533-2 behandelt Abdichtungen mit bahnenförmigen Stoffen, DIN 18533-3 solche mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen. Die Teile ergänzen sich: Der erste Teil schafft den allgemeinen Rahmen, die beiden weiteren Teile ordnen Anforderungen den jeweiligen Materialgruppen zu. Für eine Planung ist daher die passende Normenreihe zum betroffenen Bauteil maßgeblich, nicht allein der allgemeine Begriff „Abdichtung“.

Die angrenzenden Aufgabenbereiche wurden ebenfalls aufgeteilt. DIN 18531 gilt für Dach-, Balkon- und Loggienabdichtungen, DIN 18532 für befahrbare Verkehrsflächen aus Beton. DIN 18534 betrifft Abdichtungen in Innenräumen; DIN 18535 regelt Abdichtungen von Behältern und Becken. Daneben wurde DIN 18195:2017 auf die Begriffe zur Bauwerksabdichtung ausgerichtet. Sie dient damit vor allem einem einheitlichen Verständnis der Fachsprache, während die konkreten Anforderungen und Ausführungsregeln in den jeweiligen bauteilbezogenen Normen stehen.

Geltungsbereich bei Neubau und Bestand

Bei Neubauten dient DIN 18533 als Regelwerk für die Planung und Ausführung der Abdichtung erdberührter Bauteile. Sie gibt den aktuellen normativen Rahmen für entsprechende Arbeiten vor. Welche Anforderungen im konkreten Fall anzuwenden sind, hängt vom Bauteil und der jeweiligen Abdichtungsaufgabe ab; die dafür einschlägigen Festlegungen sind projektbezogen zu prüfen.

Für ein bereits errichtetes Gebäude gilt die Norm nicht rückwirkend. Eine ältere Abdichtung wird deshalb nicht allein dadurch mangelhaft, dass sie nicht nach einer später veröffentlichten Ausgabe ausgeführt wurde. Bei Bestandsgebäuden kann DIN 18533 als fachliche Orientierung helfen, den heutigen Planungsstand einzuordnen oder mögliche Lösungen für anstehende Arbeiten zu beurteilen. Sie begründet jedoch keine pauschale Pflicht, vorhandene Abdichtungen nachträglich an aktuelle Anforderungen anzupassen.

Bei Instandsetzung oder Erneuerung ist die konkrete Maßnahme gesondert zu betrachten: Werden Abdichtungsarbeiten neu geplant und ausgeführt, können aktuelle technische Regeln für diese Arbeiten relevant sein. Das ist von einer rückwirkenden Bewertung der ursprünglichen Bauausführung zu unterscheiden. DIN 18195:2017 hat in dieser Normenlandschaft vor allem eine begriffliche Funktion; ihre Definitionen unterstützen einheitliche Bezeichnungen, ersetzen aber nicht die bauteilbezogenen Anforderungen der jeweiligen Normenreihe.

Wassereinwirkungsklassen

Die Wassereinwirkungsklasse beschreibt, in welcher Form Wasser auf ein erdberührtes Bauteil einwirkt. Für die Bauwerksabdichtung nach DIN 18533 sind vor allem Wasserart, Dauer und möglicher hydrostatischer Druck entscheidend. Die Einstufung wird anhand des Bodengutachtens und der Grundwassersituation am konkreten Baugrund abgeleitet; eine pauschale Zuordnung nach Gebäudetyp reicht nicht aus. Die Unterteilung von W1-E bis W4-E hilft, unterschiedliche Belastungen an Wand, Bodenplatte und Decke fachlich einzuordnen. Bei wechselnden Grundwasserständen ist auch der maßgebende Bemessungswasserstand zu berücksichtigen.

W1-E Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser

W1-E bezeichnet Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser: Feuchtigkeit liegt am Bauteil an, ohne dauerhaft hydrostatischen Druck aufzubauen. Die Einstufung unterscheidet W1.1-E und W1.2-E danach, ob Sickerwasser ungehindert versickert oder sich zeitweise im Boden staut. Besonders bei bindigen Böden kann Wasser langsamer abfließen als bei gut durchlässigem, kiesigem Untergrund.

Die Beispiele in der Tabelle veranschaulichen typische Situationen, ersetzen aber keine Bewertung des Baugrunds. Ausschlaggebend sind die Angaben zu Bodenaufbau, Durchlässigkeit und Grundwasser im jeweiligen Bodengutachten.

W1-E: Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser
KlasseEinwirkungBeispiel
W1.1-EBodenfeuchte und nicht stauendes SickerwasserErdberührte Kellerwand an einem ausreichend durchlässigen Standort, an dem Sickerwasser abfließen kann
W1.1-ENicht drückendes Wasser ohne zeitweiligen AufstauBodenplatte auf einem Grundstück, bei dem die Bodenuntersuchung keinen zeitweisen Sickerwasserstau erkennen lässt
W1.2-EBodenfeuchte mit zeitweilig stauendem SickerwasserKellerwand in bindigem Boden, in dem Niederschlagswasser zeitweise langsamer abläuft und sich vorübergehend ansammelt

Auch bei W1.2-E bleibt die Einwirkung von drückendem Wasser abzugrenzen: Zeitweiliger Aufstau ist nicht automatisch mit dauerhaftem hydrostatischem Druck gleichzusetzen. Ändern sich Bodenverhältnisse oder Wasserstände, kann sich die Einstufung ändern; deshalb müssen die örtlichen Befunde für Wand und Bodenplatte gemeinsam betrachtet werden.

W2-E drückendes Wasser

W2-E liegt vor, wenn Wasser mit hydrostatischem Druck auf die Abdichtung einwirkt. Die DIN 18533 unterscheidet W2.1-E für mäßiges drückendes Wasser bis etwa 3 m Eintauchtiefe und W2.2-E für starkes drückendes Wasser bei mehr als etwa 3 m. Die Eintauchtiefe beschreibt dabei die maßgebende Wasserhöhe, die für den Druck auf das Bauteil relevant ist.

Bei W2.1-E kann beispielsweise eine Kelleraußenwand betroffen sein, deren erdberührter Abschnitt zeitweise unter dem Bemessungswasserstand liegt und bis zu rund 3 m eintaucht. Bei W2.2-E ist die Eintauchtiefe größer; dadurch steigt der Wasserdruck auf Wand, Bodenplatte und Anschlussbereiche. Mögliche Folgen sind erhöhte Beanspruchungen an Fugen und Durchdringungen sowie ein größeres Risiko für Wassereintritt, wenn die Abdichtung nicht auf den Druck ausgelegt ist.

Für die Planung sind die höchste zu erwartende Grundwasserlage und die Geländehöhe am Gebäude maßgebend, nicht allein der Wasserstand während einer einzelnen Besichtigung. Angaben aus Bodengutachten und Grundwasserbeurteilung bestimmen, ob W2.1-E oder W2.2-E anzusetzen ist. Die Klassifizierung beeinflusst die Bemessung der Abdichtung und die Ausbildung von Anschlüssen; eine Einordnung allein anhand der Bezeichnung „Keller“ wäre nicht belastbar.

W3-E und W4-E

W3-E beschreibt nicht drückendes Wasser auf abgedeckten Decken. Typisch ist eine erdüberschüttete Decke, etwa über einer Tiefgarage, auf der Niederschlagswasser durch die Überdeckung sickert. Die Einwirkung unterscheidet sich von W2-E, weil kein drückendes Wasser aus einer maßgebenden Eintauchtiefe auf die Decke einwirkt; zu beurteilen bleibt dennoch, wie Wasser auf der abgedeckten Fläche ablaufen kann.

W4-E umfasst Spritzwasser am Sockel sowie kapillaren Wasseraufstieg im und am Bauteil. Ein Beispiel ist der untere Wandbereich eines Gebäudes, der bei Regen Spritzwasser erhält, oder Mauerwerk, in dem Feuchtigkeit aus dem erdberührten Bereich kapillar nach oben wandert. Die Klasse betrifft damit eine andere Wasserbeanspruchung als W3-E: Bei W3-E steht eine abgedeckte Decke im Mittelpunkt, bei W4-E der Sockelbereich und der Feuchtetransport durch Kapillarwirkung. Welche Klasse anzusetzen ist, richtet sich nach Lage und tatsächlichem Wasserweg am Bauteil.

Abdichtungsstoffe und Anforderungen

Die DIN 18533 ordnet Abdichtungsstoffe nach ihrer Bauart und ihrem Einsatzbereich: Teil 2 behandelt bahnenförmige Abdichtungen, Teil 3 flüssig zu verarbeitende Produkte. Welche Lösung geeignet ist, hängt unter anderem von der Wassereinwirkung, dem Untergrund und den zu erwartenden Rissbewegungen ab. Für die Planung zählen auch Anschlüsse, Übergänge und die spätere Raumnutzung. Die jeweiligen Produktvorgaben und die Anforderungen der Norm müssen bei Materialwahl und Ausführung zusammenpassen.

Bahnen nach Teil 2

Teil 2 der DIN 18533 beschreibt bahnenförmige Abdichtungen aus Bitumen beziehungsweise Polymerbitumen sowie aus Kunststoff oder Elastomer. Die Eignung richtet sich nach Wassereinwirkungsklasse, Untergrund und Anschlussdetails.

  • Bitumen- und Polymerbitumenbahnen werden je nach Produkt vollflächig verklebt, selbstklebend verlegt oder mit geeigneten Verfahren verschweißt; die Nahtausbildung muss zum Bahnentyp passen.
  • Kunststoff- und Elastomerbahnen werden häufig lose verlegt und mechanisch befestigt oder verklebt; Nähte entstehen je nach Material durch Schweißen oder dafür vorgesehene Verbindungstechniken.
  • Bei W1-E, Bodenfeuchte und nichtdrückendem Wasser, ist die Bahnenauswahl auf die vorgesehene Beanspruchung und den Aufbau abzustimmen; Durchdringungen und Wandanschlüsse bleiben besonders zu planen.
  • Bei drückendem Wasser der Klasse W2-E sind nur dafür geeignete Abdichtungssysteme einzusetzen; Bahnen, Nahtverbindungen und Anschlüsse müssen als zusammenhängende Abdichtung ausgeführt werden.
  • Am Wand-Boden-Übergang, an Innen- und Außenecken sowie an Rohrdurchführungen sichern Formteile oder sorgfältig angepasste Zuschnitte den Anschluss; Überdeckungen richten sich nach System und Bahnenart.

Der Untergrund muss für das gewählte Verlegeverfahren ausreichend tragfähig, eben und frei von scharfkantigen Erhebungen sein. Für eine fachgerechte Bauwerksabdichtung sind außerdem Materialverträglichkeit und die lückenlose Verbindung mit den angrenzenden Abdichtungsebenen entscheidend.

Flüssige Stoffe nach Teil 3

Teil 3 der DIN 18533 behandelt flüssig aufzubringende Abdichtungsstoffe, darunter kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen (KMB) und reaktive Harze. Die erforderliche Trockenschichtdicke hängt von der Wassereinwirkungsklasse und dem eingesetzten System ab.

  • KMB werden üblicherweise in zwei Arbeitsgängen aufgetragen; als typische Mindesttrockenschichtdicke gelten etwa 3 mm bei geringerer und 4 mm bei höherer Beanspruchung, maßgeblich sind Norm und Produktzulassung.
  • Reaktive Harze härten durch chemische Reaktion aus und bilden eine widerstandsfähige Schicht; Mischungsverhältnis, Verarbeitungszeit und zulässige Schichtdicke richten sich exakt nach dem jeweiligen Produktdatenblatt.
  • Vor dem Auftrag müssen Untergrund und Grundierung zum System passen; lose Bestandteile, Staub und stehendes Wasser beeinträchtigen den Verbund, während Fehlstellen vorab fachgerecht zu schließen sind.
  • Bei KMB wird die erste Lage erst nach ausreichender Durchtrocknung mit der zweiten überarbeitet; bei etwa 20 °C dauert die Trocknung häufig ein bis drei Tage, abhängig von Luftfeuchte und Schichtaufbau.
  • Die Nassschichtdicke wird während der Verarbeitung mit einem geeigneten Messkamm kontrolliert, weil sie je nach Feststoffgehalt über der geforderten Trockenschichtdicke liegen muss.

Ecken, Kehlen und Durchdringungen erfordern eine systemgerechte Ausbildung, gegebenenfalls mit Einlage oder Formteil. Schutz- und Dränschichten dürfen erst aufgebracht werden, wenn die Abdichtung ausreichend ausgehärtet ist; Temperaturgrenzen und Wartezeiten des Herstellers sind dabei einzuhalten.

Rissklassen und Raumnutzungsklassen

Die Rissklassen R1-E bis R4-E ordnen die zu erwartende Rissbildung beziehungsweise Rissbewegung im abzudichtenden Untergrund ein. R1-E steht für geringe, R2-E für mäßige, R3-E für erhöhte und R4-E für besonders hohe Rissbeanspruchung. Die Zuordnung berücksichtigt nicht allein einen sichtbaren Riss: Auch Bauweise, Bauteilbewegungen und die erwartete Entwicklung während der Nutzung spielen eine Rolle.

Mit steigender Rissklasse muss das Abdichtungssystem Bewegungen zuverlässiger aufnehmen können. Eine Beschichtung, die für geringe Rissbeanspruchung vorgesehen ist, lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres für einen Untergrund mit stärkerer Rissbewegung verwenden. Bei der Bemessung zählen die für das System nachgewiesene Rissüberbrückung und die konkrete Einbausituation; Übergänge und Arbeitsfugen sind gesondert zu berücksichtigen.

Die Raumnutzungsklassen RN1-E bis RN3-E beschreiben die Anforderungen, die sich aus der Nutzung des abgedichteten Raums ergeben. RN1-E steht für geringe, RN2-E für übliche und RN3-E für hohe Anforderungen an die Trockenheit beziehungsweise Gebrauchstauglichkeit. Ein Kellerraum zur Lagerung stellt damit andere Anforderungen als ein dauerhaft genutzter Aufenthaltsraum mit empfindlicher Ausstattung.

Riss- und Raumnutzungsklasse werden gemeinsam mit der Wassereinwirkung und dem Untergrund für die Auswahl des Abdichtungssystems herangezogen. Eine höhere Raumnutzungsklasse kann eine sorgfältigere Planung des gesamten Bauteilaufbaus erfordern; eine passende Abdichtung allein ersetzt weder die richtige Rissbewertung noch die fachgerechte Ausführung von Anschlüssen.

Praxis: Dränage, Sockel und Altbau

Bei der Bauwerksabdichtung entscheiden Anschlüsse, Wasserführung und der Zustand des Mauerwerks darüber, ob ein Keller dauerhaft trocken bleibt. Eine Dränage kann den Wasseranfall am Gebäude verringern, ersetzt jedoch keine Abdichtung gegen drückendes Wasser. Am Sockel muss die Abdichtung sicher über Gelände geführt und mit den angrenzenden Bauteilen verbunden werden. Für Bestandsgebäude bilden WTA-Merkblätter und -Datenblätter die Planungsgrundlage; die DIN 18533 kann dabei zur Orientierung herangezogen werden. Die Maßnahmen richten sich nach Befund, Boden und Nutzung des Gebäudes.

Dränage nach DIN 4095

DIN 4095 behandelt Dränanlagen zum Schutz baulicher Anlagen. Sie führen Sickerwasser kontrolliert ab und können so den Wasseranfall am Keller verringern. Die Anlage muss zum Boden und zu einem geeigneten, zulässigen Ableitungsweg passen.

  • Ziel: Eine Dränung sammelt und leitet Wasser aus dem Bereich erdberührter Bauteile ab; sie senkt die zeitweise Wasserbelastung, bildet aber keine Abdichtungsschicht.
  • Drainrohr: Das gelochte Rohr liegt in einer durchlässigen Dränschicht und führt das gefasste Wasser mit gleichmäßigem Gefälle zu einem kontrollierbaren Ablauf.
  • Filtervlies: Ein passend zum anstehenden Boden ausgewähltes Vlies trennt Erdreich und Dränmaterial, damit Feinteile nicht in die Dränschicht eingetragen werden.
  • Kontrollstellen: Spül- und Kontrollschächte ermöglichen den Zugang zu Rohrabschnitten und erleichtern die Prüfung des Ablaufs sowie eine erforderliche Reinigung.
  • Grenze der Wirkung: Dränage reduziert den Wasseranfall, dichtet jedoch nicht gegen drückendes Wasser ab; dafür ist eine dafür bemessene Bauwerksabdichtung erforderlich.
  • Ableitung und Pflege: Das Wasser benötigt einen zulässigen Ableitungsweg; Schächte und Ablauf sollten regelmäßig auf Sediment, Verstopfungen und freien Abfluss geprüft werden.

Bei bindigem Boden oder dauerhaft hohem Grundwasserstand reicht eine Dränanlage allein nicht aus. Planung und Ausführung müssen auch Rohrlage, Filteraufbau und den sicheren Zugang für spätere Kontrollen berücksichtigen.

Sockel und Übergang

Der Sockel verbindet die erdberührte Wand mit der Außenfläche und ist zugleich Spritzwasser ausgesetzt. Die Details müssen die Abdichtung, den Geländeanschluss und den Fassadenaufbau lückenlos zusammenführen.

  • Spritzwasserzone: Am Sockel reicht die Spritzwasserzone etwa 30 cm über das Gelände; bei der Höhenplanung ist der endgültige Geländestand maßgeblich.
  • Übergang Boden und Wand: Die Abdichtung der Kellerwand wird durchgehend an den Wandfuß und die Bodenplattenabdichtung angeschlossen, ohne offene Fugen oder ungeschützte Kanten.
  • Untergrund: Mauerwerk und Beton müssen tragfähig, sauber und für das gewählte System geeignet sein; lose Teile und Mörtelgrate stören einen gleichmäßigen Anschluss.
  • Anschluss an die Fassade: Putz, Sockeldämmung und Abdichtung sind so aufeinander abzustimmen, dass Wasser nicht hinter die Abdichtung oder in den Wandaufbau gelangen kann.
  • Materialverträglichkeit: Grundierung, Abdichtung und Schutzlage müssen als kompatibler Aufbau geplant werden; Anschlüsse an Metallprofile oder Durchdringungen sind systemgerecht auszuführen.
  • Schutz nach der Ausführung: Eine geeignete Schutzlage bewahrt die Abdichtung beim Verfüllen vor Beschädigung; sie darf den Anschluss am Sockel nicht verschieben oder unterbrechen.

Besonders an Türschwellen, Lichtschächten und Leitungsdurchführungen sind maßgenaue Anschlussdetails nötig. Die Abdichtung muss dort an die angrenzenden Bauteile anschließen und zugleich die rund 30 cm hohe Spritzwasserzone berücksichtigen.

Altbau: Sanierung nach WTA

Bei Bestandsgebäuden beginnt die Sanierungsplanung mit einer Untersuchung der Feuchteursache. WTA-Merkblätter und -Datenblätter dienen als fachliche Planungsgrundlage; die DIN 18533 bietet für die Beurteilung erdberührter Bauteile Orientierung, ersetzt aber keine Bestandsdiagnose. Zu erfassen sind Wandaufbau, Geländeanschluss, Nutzung der Räume und mögliche Wasserbelastung. Eine Feuchte- und Salzdiagnose umfasst die Prüfung des Mauerwerks sowie geeignete Messungen und Materialproben. Gravimetrische Untersuchungen können den Feuchtegehalt bestimmen; Analysen auf Chloride, Nitrate und Sulfate helfen, Salzbelastungen einzuordnen. Feuchtebilder sind außerdem daraufhin zu bewerten, ob seitlich eindringendes Wasser, kapillar aufsteigende Feuchte, Leckagen oder Kondensation infrage kommen. Einzelne Messwerte ohne Kenntnis von Baustoff und Entnahmestelle reichen für die Wahl eines Verfahrens nicht aus. Je nach Befund kommen unterschiedliche Maßnahmen infrage: Eine nachträgliche Horizontalsperre kann kapillaren Feuchtetransport begrenzen, während eine außenliegende Abdichtung bei zugänglichem Erdreich den seitlichen Wassereintritt angeht. Ist eine Außenfreilegung nicht möglich, kann ein innenliegendes Abdichtungssystem geprüft werden; es muss zum Untergrund und zur Wasserbelastung passen. Salzbelastetes Mauerwerk erfordert häufig einen darauf abgestimmten Putzaufbau. Sanierputz nimmt Salze auf und unterstützt die Verdunstung, ersetzt jedoch keine notwendige Abdichtung. Trocknungszeiten reichen je nach Wanddicke, Ausgangsfeuchte, Salzgehalt, Jahreszeit und Lüftung von mehreren Wochen bis zu Monaten oder länger. Putz- und Beschichtungsarbeiten dürfen erst erfolgen, wenn die jeweiligen Untergrund- und Verarbeitungsbedingungen erfüllt sind. Zu den Risiken zählen ungeeignete Injektionsmittel bei stark durchfeuchtetem oder hohlraumreichem Mauerwerk, Schäden durch unsachgemäße Freilegung sowie erneuter Feuchteeintrag an Sockel und Anschlüssen. Für die Bemessung sind unter anderem Wanddicke und Baustoff, Feuchte- und Salzprofil, Grundwasserverhältnisse, Gelände und Raumnutzung entscheidend.

Fragen zu DIN 18533 und DIN 18195

Die Antworten ordnen die beiden DIN-Normen ein und erläutern, worauf es bei Bestandsgebäuden und der Einstufung eines Kellers ankommt.

Gilt DIN 18533 auch für Altbauten?

Nein, DIN 18533 gilt nicht automatisch rückwirkend für bestehende Gebäude. Sie ist für die Planung und Ausführung von Abdichtungen erdberührter Bauteile maßgeblich, wenn entsprechende Arbeiten anstehen; daraus folgt jedoch keine pauschale Pflicht, jeden Altbau nachträglich an die Norm anzupassen. Bei einer Sanierung werden der vorhandene Aufbau, der Zustand der Abdichtung und die Wasserverhältnisse am Gebäude untersucht. Die Norm kann dabei als technische Orientierung für die Wahl und Ausführung einer neuen Abdichtung dienen. Bei Bestandsgebäuden werden häufig zusätzlich WTA-Regeln herangezogen, die auf die besonderen Bedingungen der Instandsetzung eingehen.

Was ist der Unterschied zwischen DIN 18195 und DIN 18533?

DIN 18195 und DIN 18533 unterscheiden sich vor allem in Anwendungsbereich und Detailtiefe. Seit der Neugliederung der Abdichtungsnormen im Juli 2017 dient DIN 18195 im Wesentlichen der Begriffsbestimmung für Bauwerksabdichtungen. Die konkreten Anforderungen an die Abdichtung erdberührter Bauteile sind in DIN 18533 geregelt. Sie behandelt damit detaillierter, wie solche Bauteile geplant und abgedichtet werden. Für eine Kellerwand oder eine Bodenplatte ist daher DIN 18533 die zentrale Norm für die technische Ausführung; DIN 18195 hilft, die verwendeten Fachbegriffe einheitlich zu verstehen.

Welche Wassereinwirkungsklasse gilt für einen normalen Keller?

Welche Wassereinwirkungsklasse für einen Keller gilt, ergibt sich aus dem Bodengutachten und den örtlichen Wasserverhältnissen. Bei gut wasserdurchlässigem Boden und gesicherter Ableitung wird häufig W1.1-E angesetzt. Ist der Boden bindig und eine Drainage nicht vorhanden, kann Wasser zeitweise aufstauen; dann kommt W1.2-E oder eine höhere Klasse infrage. Die Bezeichnung „normaler Keller“ reicht für die Einstufung nicht aus: Entscheidend sind unter anderem Bodenart, Grundwasserstand und die Möglichkeit eines Wasseraufstaus. Die Klasse wird vor der Abdichtungsplanung festgelegt, weil sie die erforderliche Ausführung beeinflusst.